Zinngießen (Kautschukform)

Eine Möglichkeit, Gußformen fürs Zinngießen anzufertigen, sind Formen aus hitzebeständigem Kautschuk. Ihr größter Nachteil ist auch gleichzeitig der häufigste Grund, sie nicht zu verwenden: Der Kautschuk ist ziemlich teuer. Ich habe schon 500g-Dosen für lockere 35 gesehen; bei einer solchen Anfangsinvestition kann man schon mal blass werden. Allerdings bekommt man die gleiche Packung für etwa 16; das ist schonmal wesentlich milder ;)
Die Vorteile allerdings sind recht eindeutig:

Eine 500g-Packung reicht für etwa 3 Formen mit 5x7x2,5 cm³.
Wundert euch nicht, wenn die Formen sich ab und an unterscheiden; ich habe mehrere angefertigt (die schlichte Form des Hahns war mir für die Muskete nicht gedrungen genug) und die jeweils besten Bilder verwendet.



Zuerst braucht man einen Kasten für die Form; eine Möglichkeit sind mit Klebeband beschichtete Kartonstückchen; ich habe hier eine alte Schraubenschachtel genommen; die hatte die passende Grösse ;)
Die Form wird bis zur Hälfte mit Knete (ja, genau, Knetgummi) gefüllt.
Das Original wird bis zur Hälfte in die Knete gedrückt, die schlichtere Seite macht man besser nach unten.

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In die Knete macht man Vertiefungen; die halten nachher die Hälften präzise zusammen. Um Kautschuk zu sparen habe ich die Form mit Knete "verkleinert".
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Wie gesagt, die Vertiefungen nicht vergessen. Sonst macht das Zusammensetzen der Formen nachher echt keinen Spass.
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Die Form wird mit Positiv dünn mit Nivea-Creme eingepinselt; dann geht die Formhälfte auch wieder ab.

Wichtig ist ab jetzt, immer genug Küchenrolle zur Hand zu haben; der Kautschukbrei zieht Fäden wie nix Gutes, klebt einfach überall und macht Flecken, die nur extrem schwer (wenn überhaupt) wieder rausgehen.

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Weil es schnell gehen musste (stand so auf der Packung, danach hab'ich das Knipsen vergessen) gibt es davon leider keine Bilder:
Die Kautschukmasse wird in einen sauberen Joghurtbecher gefüllt, der auf einer Waage steht (Aus einem nicht-Wegwerfgefäß bekommt man die Kautschukreste nie wieder raus).

Für eine solche Halbform braucht man etwa 70-100 g. Die Waage ist deshalb wichtig, weil nun in den Joghurtbecher der Härter gegeben wird, und zwar nach Gewicht. Bei mir waren es pro 100 g 80 Tropfen des Härters; das kann bei anderen Marken anders sein.
Wichtig: den Härter vorher kurz schütteln. Wenn man ganz doll Angst hat, sich zu verzählen, kann man den Härter auch in ein Schnapsglass abzählen und dann zukippen; das ist allerdings meistens unnötig.

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Danach wird der Härter zu der Kautschukmasse gegeben und sorgfältig umgerührt.
Ihr werdet euch wahrscheinlich nicht hetzen müssen; mein Kautschuk brauchte eine Stunde, bis er anzog und 24 Stunden bis er hart war. Auf der Packung waren 3 Stunden Aushärtzeit angegeben...
Nach Erhärten des Kautschuk kann man ihn vorsichtig aus der Form heben; das Material ist zwar flexibel, aber es bricht und reisst leicht, also geht halbwegs sanft damit um.
So sieht dann die fertige Halbform aus.
(Die flüssigen Stellen rühren daher, dass ich Angst hatte, der Kautschuk würde zu schnell aushärten und somit das Original mit härterlosem Kautschuk bestrichen habe; das war ein Fehler.)

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Wenn der Kautschuk trocken ist, tut man das Original wieder in die erste Halbform und zurück ins Kästchen; ich musste den Boden der Schachtel entfernen, weil ich bei der ersten Hälfte zu üppig war.
Jede Form sollte an ihrer dünnsten Stelle mindestens 5 mm stark sein.
Um Luftblasen zu vermeiden, wird der angerührte Kautschuk nicht direkt in die Form gegossen. Statt dessen wird die erste Schicht auf das Original aufgepinselt und dann erst gegossen.
Den Pinsel gleich mit Küchenpapier abwischen und nachher den Kautschuk rauspuhlen.

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Wichtig: Wenn das Einfüllen der fertigen Kautschuk-Mischung fertig ist, sollte man die Form (wie auch schon bei der ersten Halbform) 5-10 Minuten lang immer wieder ein wenig anheben und auf den Tsich fallen lassen. Auf diese Weise werden Luftblasen aus der Form vertrieben, die sich später negativ auswirken könnten.
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Juhu, die fertige Form! (hat ja auch nur wieder 24 h gedauert, bis es fest war *nörgel*)

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Jetzt werden die Entlüftungskanäle in eine Seite der Form geschnitten.
Ohne diese würde die Luft beim Gießen nicht entweichen können, und Details würden nicht abgebildet, im schlimmsten Falle würde die Form nicht vollständig gefüllt, insbesondere in den Spitzen.
Die Luftkanäle sollten unter 1 mm dick sein, sodass zwar Luft aber kein Zinn entweichen kann.
Zum Abschluss kommt noch der Trichter, in den man das Zinn füllt. Die Einfüllöffnung sollte mindestens 3 mm Durchmesser haben.

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Ab und an läuft Kautschuk unter das Original beim Anfertigen der ersten Halbform unter das Original;
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in dem Falle schnappt man sich ein Skalpell (Bastelmesser geht auch, aber Skalpelle machen mehr Spass :) Außerdem kann man sie als Heiler brauchen) und legt das Original wieder frei. Das kann ganz nach Gefühl erfolgen, Löcher werden ja von der 2. Hälfte wieder gefüllt.
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Zum Gießen werden die Halbformen sorgfältig mit Talkum eingepudert. Das erleichtert das Einfliessen des Zinns und sorgt dafür, dass Details sauberer abgebildet werden.
Ausserdem schützt es den Kautschuk vor den anfänglich extrem hohen Temperaturen (bis zu 350 °C).

Wichtig:
Beim Gießen Schutzbrille tragen!
Die Dämpfe sind vermutlich auch nicht besonders gesund, also wenn möglich draussen gießen oder gut lüften.

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Das Zinn wird in einem Schmelztiegel mit Griff (Kostenpunkt ~10 bei eBay) über einer Lötlampe oder Esbit-Brenner geschmolzen.
Auch ein selbergebastelter Tiegel aus einer sauberen Dose mit Drahtgriff geht. Denkt nur dran, wenns euch über die Finger oder Füsse läuft, hats vermutlich 300 °C.
Angeblich hilft es, die Form vorher bei 100 °C im Backofen vorzuwärmen; bei den simplen Formen, die ich verwendet habe, konnte ich da aber keine Verbesserung feststellen. Ist wahrscheinlich nur bei echten Zinnfiguren wichtig.
Das Gießen selbst verlief nach meiner Erfahrung vollkommen unproblematisch. Einfach schmelzen und reingießen, bis die Form voll ist. Eventuell sammelt sich beim Schmelzen auf der Oberfläche Schlacke an; die kann man mit einem Holzstäbchen abnehmen. Das Stäbchen kann man auch zur Temperaturkontrolle nehmen: Wenn es beim Eintauchen raucht, ist das Zinn heiss genug. Man muss sich allerdings nicht sklavisch dran halten, bei mir gings auch so.

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Nach wenigen Minuten kann man die Form öffnen und mit einer Zange die Kunstwerke entnehmen.
Achtung:
Heisse Gegenstände Müssen Nicht Unbedingt Auch Heiss Aussehen.

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Die fertigen Stücke, so wie sie aus der Form kommen.
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Die Gußgrate werden abgeschnitten oder gefeilt und das Gußstück so lange mit Feinfeilen bearbeitet, bis es so aussieht, wie man's haben will.
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Wenn man mit dem Feilen fertig ist, wird das Endergebnis noch auf Glanz poliert.
Dazu eignet sich prima die Drahtbürste eines Dremels (oder eines billigeren Klons :))

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