Duellpistole

Anleitung zum Bau einer larptauglichen Duellpistole


Materialliste:





Um an ein "Schnittmuster" einer Pistole zu kommen, kann man einfach die Bildersuche der Lieblings-Suchmaschine bemühen. Das Bild wird auf die erforderliche Grösse Skaliert (etwa 40 cm in diesem Fall), in schwarz-weis konvertiert und z.B. mit "Kanten finden" in Gimp oder Photoshop (da wird das vermutlich anders heissen) bearbeitet, bis man die Umrisse deutlich hat. So Geschehen bei dem Bild links (das Original stelle ich aus Copyright-Grunden nicht hier her ;))
Bei Gelegenheit werde ich allerdings auch 1:1-Scans der Vorlagen in den Download-bereich stellen, so daß man nur noch ausschneiden und ausdrucken muß.

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Die Vorlage wird auf drei Sperrholzbretter übertragen (zweimal 10 mm Birkensperrholz, einmal 4 mm Sperrholz).
Die Bretter werden miteinander verdübelt um ein Verrutschen zu verhindern.

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Das Ganze wird dann mit einer Stichsäge ausgesägt. An besonders engen Rundungen oder Ecken wird ein "Wendeloch" gebohrt; das erleichtert das Sägen erheblich.

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Fertig mit Aussägen. Optimalerweise legt man schon vor dem Sägen die Stücke in die Reihenfolge, die sie nachher in der fertigen Pistole haben; die Dicken aussen, das Dünne innen.
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Die Teile werden mit 4er Dübeln passend fixiert. Das erleichtet das spätere Arbeiten.
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Jetzt kümmern wir uns um die Mechanik. Aus Pappe werden erstmal die Prototypen von Abzug und Nuss gebastelt und mit Stecknadeln auf dem mittleren Holzstück befestigt. Dann kann man auch gleich sehen, wo die Bohrlöchen für die Schrauben hinmüssen, wenn die Teile passgenau aufgesteckt sind.
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Die Prototypen werden auf einen Aluminiumstreifen übertragen (40x4x100 mm, erhältlich im Baumarkt).
Die Löcher werden mit einem Nagel vom Pappmodell durchgeschlagen.

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Die Metallteile werden mit einer Dekupiersäge¹ ausgesägt und mit einer Standbohrmaschine gebohrt. Der Dorn am Abzug dient als Ansatz für die Rückstellfeder.



¹versucht es nicht ohne; mit einer Laubsäge geht es auch, das ist allerdings was für geduldigere Leute als mich

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Mit Schrauben kann man die Teile nun auf dem Mittelstück befestigen und auf korrekten Sitz prüfen. Die Einzelteile sollten möglichst wenig Spiel haben.
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Jetzt kümmern wir uns um die Rückholfeder für den Abzug.
Optimalerweise verwendet man dazu irgendeinen flexiblen Stahlstreifen. Mein Liebling sind die Streifen, die man ab und an auf der Straße findet (abgefallene Teile von Kehrmaschinen? Ich denke schon). Leider muss man sowas zufällig bei Hand haben..
also wird man sich in der Regel einen Streifen basteln müssen. Das geht hervorragend mit einem Sägeblatt, das einfach mit dem Dremel auf die benötigte Breite heruntergeschliffen wird. Also ein wenig schmaler als das Mittelbrett, mir einer zusätzlichen Verschlankung, um an den Unterlegscheiben vorbei zu kommen, auf denen die Mechanik ruht (dazu später mehr).

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Der Metallstreifen wir am Ende leicht gebogen, damit er nachher nicht aus seinem Halteschlitz rutschen kann.
Das Prinzip der Rückstellmechanik sollte rechts zu erkennen sein.

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Die Schrauben habe ich inzwischen durch 4er Dübelhölzer ersetzt; da die Metallteile nachher von 4 mm Schrauben gehalten werden sollen, passt das ganz gut ;)
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Nun zeichnet man die Mechanik einmal in Ruhestellung und einmal in "ausgelöst" auf das Mittelbrett; legt man beides übereinander, hat man den Platz, in dem sich die Mechanik bewegen wird.
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Den Schlitz für die Feder bringt man am besten ein, indem man die Feder passend auf das Brett legt und mit dem Hammer ein wenig in das Holz schlägt.
Danach werden wieder die Ecken ausgebohrt und das Ganze ausgesägt.

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Und schon stehe ich vor einem Problem.
Das Mittelbrett war in etwa 5 mm dich, meine Alustreifen 3 mm; das lässt 2 mm Luft zum Wackeln (was ich natürlich nicht will).
Deswegen muss ich die Mechanik mit Unterlegscheiben "unterfüttern", die so abgeschliffen worden sind (viel Arbeit mit einer Feile), dass sie die freie Beweglichkeit der Teile nicht stören.
Im Bild sieht man auch recht gut die Anbringung der Feder, die einfach in den eingesägten Schlitz gesteckt wird.

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Soweit passt das alles, daher kleben wir erstmal die beiden Mittelteile auf das eine Seitenteil.
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Jetzt werden von Unten in der Mitte zwei 4 mm-Löcher durchgebohrt; die halten nachher das Alurohr, das den Lauf darstellt. Wahrscheinlich wird man die Schruben ein wenig versenken müssen (mit einem Bohrer, der ein wenig grösser ist als der Schrubenkopf nachbohren), damit sie nicht rausstehen.
Danach wird ein Absatz in den Schaft gesägt,der später den Lauf aufnehmen soll. Achtung:
Der Absatz darf nicht so tief sein, wie der Lauf dick ist, sondern etwa 4-6 mm flacher, da der Lauf nachher in einer Rinne zu liegen kommt (die ja nochmal Höhe wegnimmt).

Bei der Gelegenheit kann man auch gleich das Alurohr zuschneiden; es sollte so lang sein, dass das Einmachgummi von Nuss zum Ende des Rohres gut gespannt ist.

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Damit das Rohr auch sauber im Schaft liegt, wird einer Rinne in den Schaft gefräst; das geht hervorragend mit einem Kugel-Raspelkopf für die Bohrmaschine (gibt's im Baumarkt meist im Set mit anderen Raspelaufsätzen) und einer Standbohrmaschine. Man muss ein wenig basteln, bis man die richtige Höhe gefunden hat (Abfallholz hilft ;)), dann kann man den Musketenrohling einfach auf die Platte der Bohrmaschine legen und an der rotierenden Raspel vorbeischieben.
Das ist wahrscheinlich der Teil beim Basteln, der das meiste Fingerspitzengefühl benötigt.
Zum Abschluss (die Ecken lassen sich nicht raspeln, die muss man mit einem Stemmeisen o.Ä. ausschneiden) wird das Alurohr eingepasst und so eingesägt, dass sich die Schlossmechanik frei bewegen kann.

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Bevor man anfängt, den Rohling mit der Raspel zu bearbeiten, sollte man sich die "Höhenlinie" zum abraspeln einzeichnen, das hilft beim Feilen enorm.
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Nun wird der Rohling geraspelt..
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gefeilt
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und mit mehreren immer feiner werdenden Schleifpapieren bearbeitet, bis er sich samtweich anfühlt. Ich fange in der Regel mit 80er Korn an und arbeite mich dann hoch zum 240er.
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Damit sie nicht klappern werden die Unterlegscheiben eingeklebt.
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Jetzt werden die Einzelteile gebeizt (ich hatte versehentlich eine Acryl-Beitze erwischt; die Farbe allerdings war so toll, dass ich es dabei belassen habe).
In den Dübellöchern sind zu langeDübel, diese halten den Abstand von Holz zu Unterlage.

Die Teile werden übrigends unzusammengebaut gebeizt, damit ich an sonsten die eingebauten Metallteile festkleben oder verdrecken würde.

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Und das ganze nach der 3. Schicht.
Da wie gesgt meine "Beize" eigentlich ein Lack war, musste ich nach jedem Druchgang die Nasen an der Unterseite abschneiden/schleifen. Sonst hätten die Einzeteile nachher nicht zusammengepasst.
Wie man siht, habe ich mehr als eine Pistole gleichzeitig gebaut (sollte ja ein Duellset werden); sorgfältiges Beschriften der Einzelteile erleichtert die Arbeit. Zu welcher Pistole gehörte doch gleich der Abzug da?

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Für die Schlossbleche nimmt man ein Messingblech in der Stärke 0.4 mm. Das gibt es z.B. bei eBay zu kaufen, ich habe für ungefähr ein Din A4-Blatt 3,50 gezahlt.
Auch hier hat sich ein Fehler eingeschlichen, den ich erst später bemerkt habe:
Die Einzelteile müssen, anders als im Bild, spiegelbildlich zu einander auf das Blech gezeichnet werden. Das hat folgenden Hintergrund:
Die Teile werden mit einer Blechschere ausgeschnitten (zum Sägen ist das Material viel zu dünn). Das hinterlässt eine Biegekante beim Schneiden die sonst auf der einen Seite der Pistole nach aussen stünde.

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Die Schlossbleche werden mit einer Blechschere ausgeschnitten. Eventuell könnte man sie auch mit einer Laubsäge ausschneiden.
Beim Ausschneiden schneidet man am besten die Bleche erstmal grob zu, und macht dann erst die Feinarbeit; damit biegen sich die Späne besser weg und man verbiegt das Schlossblech nicht so.

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Die Lage der Löcher schlägt man am Besten mit einem angespitzen Dübelholz und einem Hammer durch nachdem man die Bleche passend an die jeweilige Seite gehalten hat. Danach werden sie mit einem 5,5 mm Bohrer ausgebohrt.
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Die Bleche lassen sich trefflich mit einem Dremel gravieren (wie man siht habe ich es nicht besonders mit der feinmotorischen Kunst). Poliert habe ich sie mit Stahlfix unt Küchenpapier.
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Jetzt ist der grosse Moment da. Die beiden Hälften werden verleimt und die Einzelteile zum Zusammenbau zurechtgelegt. Die jeweils verwendeten Schrauben liegen neben den Einzelteilen.
- Die exakten Stellen für die Löcher im Lauf bekommt man, indem man den Lauf passend in den Schaft legt, mit Tesafilm fixiert, die Schrauben in die Löcher steckt und einmal kurz mit dem Hammer dagegen schlägt. Das hinterlässt saubere Bohrmarken auf dem Lauf.
- Die Zierstücke (Hahn und Pulverpfanne) werden aus Zinn gegossen ([Anleitung zum Zinngiessen])
- Die Mechanik wird mit 4er metrischen Schrauben und den passenden Hohlschrauben eingebaut. Da der Aussendurchmesser der Hohlschrauben grösser ist als 4 mm wird die eine Seite auf 5,5 mm aufgebohrt. Das ist ein wenig frickelig, das bekommt ihr aber schon hin.
- das eine Ende des Schlossbleches wird mit einer optisch passenden 2x16 Holzschraube befestigt; das andere Ende wird von den Verzierungen gehalten (die Bohrlöcher sind trotzdem zu sehen, das ergab sich erst im Verlauf des Bastelns)

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Das Schlossblech ist befestigt, und die Mechanik verschraubt. Achtung, wenn die Schrauben zu fest sind, kann es sein, dass sie die Mechanik einklemmen, dann gibt's eine Ladehemmung.
Jetzt kann man die Verzierungen anbringen. Wie bei allen anderen Löchern in dem Werkstück gilt: Unbedingt vorbohren.
Eine Schraube, die das Holz spaltet, ist das ärgerlichste was einem jetzt passieren kann.
Dem aufmerksamen Beobachter fällt eventuell auf, dass die Schrauben für die Verzierungen abgesägt sind; das war nötig, weil sie sonst in zum Teil in die Mechanik reingeragt (und diese somit blockiert) hätten.
Das Abschneiden gestaltet sich mit einem Dremel mit Trennscheibe recht einfach.

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Und hier ist das Prachtstück zusammengebaut. Wer will, kann noch kleine Kuhlen vorne in den Lauf schleifen, das macht das Laden erheblich einfacher.
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Und nochmal in gespanntem Zustand.
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Jetzt verpackt man das ganze noch in eine schnell zusammengebastelte Holzkiste (die Anleitung dazu spare ich mir jetzt mal), legt ein wenig Munition (Gummiringe von Einmachgläsern um Holzstückchen gewickelt) bei und richtet das Ganze appetitlich an.
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Wer will, schreibt jetzt noch einen markigen Spruch auf den Deckel ("Ehre oder Tod" in diesem Fall) und jetzt braucht ihr nur noch jemanden zu suchen, der euch so beleidigt, daß ihr ihn zum Duell fordern könnt.

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